Gotland


Wappen der Stadt Heiligenhafen
              Heiligenhafen

 

Die Geschichte der kleinen schwedischen Kvase ( Quatze ) und Gaffel-Yawl „Katurah“

 

Mitte der 60er Jahre

hatte der Masterlotse Erik Petersen aus Fårö auf der schwedischen Insel Gotland die Idee, seine Lotsenbrüder nicht nur in Seemannschaft, Technik und Navigation auszubilden. Er war der Ansicht, dass auch eine praktische Ausbildung in Bootsbau eine nützliche Erweiterung für das seemännische Verständnis ist. Deshalb begann er mit ihnen die Planung eines Holzschiffes.

 

Ein ca. 29“ Boot sollte es sein, in Anlehnung an kleine historische Fischereiboote der westlichen Ostsee: Kvassar, Kvase, Kvassen, Kvass, wie sie in Schweden genannt werden. In Norddeutschland, Dänemark und Pommern gab es diese Schiffstypen später dann auch unter der Bezeichnung Quase oder Quatze. Weitere Informationen zum Schiffstyp finden sich bei den Links.

Boote wie die Katurah gab es an der schwedischen Küste besonders im Bereichen um Bleckinge, sie waren aber auch oft zu finden an der West- und Ostküste Schwedenst.  Sie wurden für die Küstenkleinfischerei und den Lebendfischfang gebaut und hatten meist in ihrer Rumpfmitte einen Ladebereich, der durch Löcher im Rumpf seewasserdurchlässig war um den Fang dort lebend und somit frisch zum Hafen zu transportieren (an der Nordsee "Bünn" genannt).

 

Auszug der schwedischen Fischereistatistik von 1859 - 1913 mit Erwähnung der Kvassar-Fischerei
Auszug der schwedischen Fischereistatistik von 1859 - 1913 mit Erwähnung der Kvassar-Fischerei


Wichtig war Petersen und seinen Lotsenbrüdern, ein Boot zu bauen, welches in der Ostsee, speziell den Gewässern des schwedischen Schärengebiets, sicher und einfach zu steuern und zu segeln ist.

2.Logbuchseite von 1976 Kapt.E.Petersen
2.Logbuchseite von 1976 Kapt.E.Petersen

Handschriftlicher Text des originalen Logbuchs:

Katurah är konstruerad efter en fartygstyp som ofta förekom i Danmark och Nordtyskland som Kvassar.
Katurah ist nach einem Schiffstyp konstruiert, der in Dänemark und Norddeutschland oft vorkommt, als Quase.
I Nordsjön och i farvattnen kring Newfondland var de också vanliga, men då i betydligt större format.
In der Nordsee und in Fahrwassern um Neufundland waren sie auch vertreten, dann aber bedeutend größer.
Har själv på 30-talet seglat med den mindre typen en Kvass.
(Ich) habe selbst in den 30er Jahren eine kleinere Quase gesegelt (gefahren).
Den har efter minnet stått modell för Katurah.
Diese hat nach (meiner) Erinnerung Modell gestanden für die Katurah.
När motorn gjorde sitt intåg försvann de från haven.
Als die Motoren ihren Einzug hielten, verschwanden sie vom Meer (von der See).
Här nedan tidningsurklipp av Katurahs byggare och konstruktör.
Hier unten (ein) Zeitungsausschnitt von Katurahs Erbauer und Konstrukteur.

   

(Vielen Dank für die Übersetzung an Lars vom schwedischen Traditionssegler "Britta", der dort als Maat und Maschinist fährt!)

 

1972

waren die Pläne fertig und man begann neben der Arbeit als Lotse mit der Kiellegung und dem Bau des Bootes. Anstelle der seewassergefüllten Bünn erhielt die Katurah eine kleine Kajüte mit Decksaufbau. So konnten im Vorschiff und Salon jeweils zwei Kojen untergebracht werden und es war genug Platz für eine kleine Kombüse und einigen Stauraum.

 

1976

war das Boot fertig und wurde in Fårösund zu Wasser gelassen.
Auf den Schiffsnamen „Katurah“ einigte man sich in der Lotsenbrüderschaft schnell und das kam so:  Erik Petersen war schon als kleiner Junge der Seefahrt sehr verbunden gewesen und ist anfangs auf mehreren Schiffen mit dem Spitznamen „Moses“ gefahren, welchen er auch später noch behielt. Da Erik verheiratet war aber auch den Schiffsneubau so liebevoll betreute, als wäre es seine zweite Liebe, schaute man des Spitznamens wegen in die Bibel und fand dort etwas Passendes bei einem anderen Patriarchen - den Namen der zweiten Frau von Abraham, welche Katurah hieß. Somit war klar, die kleine Gaffelyawl heißt ab sofort „Katurah“!

Mit der Katurah ist Erik Petersen dann mehrere Jahre bis zu seiner Pensionierung von seinem Heimatort Fårösund nach Visby zur Arbeit gesegelt. Das Schiff hatte anfangs keinen Motor, was das Einlaufen in den Hafen mit dem Älterwerden von Erik und den immer mehr mit Schwimmstegen "verbauten" Häfen zunehmend schwieriger werden ließ. Erik versuchte dem entgegen zu wirken, indem er widerwillig einen kleinen Außenbordmotor an der Katurah anbrachte. Dieser erwies sich mit seinen 5 PS (bei knapp 5t ) allerdings als zu schwach, sodass man einen 8 PS Diesel-Inneborder einbaute. Irgendwann war er dann nicht mehr in der Lage das Boot zu segeln und die Familie hat es ca.

 

1982

nach England verkauft. Dort segelte die Katurah ein paar Jahre in englischen Gewässern und wurde innen etwas umgebaut. Die Kombüse am Niedergang wurde zum Kartentisch und der Schrank, in dem Petersen seine Arbeitskleidung, die Kapitäns-Uniformen, aufbewarte wurde zur Kombüse. Außerdem bekam die Katurah in England auch einen Klappklüver. Leider gibt es über die Zeit in England kaum Informationen. Dann wurde das Schiff ca. ....

 

Ende der ´80er Jahre

nach Hamburg verkauft. Die neuen Eigner bauten das Boot innen etwas um, da sie kleine Kinder hatten und diese bei Regen nicht in die Bugkabine über Deck laufen lassen wollten. Es gab nun innen einen Schottdurchgang zum Bug, durch den die Kinder sicher in die Koje krabbeln konnten. Der Motor wurde gegen einen 18PS Diesel ausgetauscht, da er für die Törns mit den Kindern auf der Elbe mehr Sicherheit bot. Außerdem wurde das Schiff von der Elbe (Finkenwerder) an die Ostsee nach Fehmarn (Orth) verlegt.

 

Im Jahr 2001

kaufte sich die Familie ein größeres Boot und gründete mit einer zweiten Familie für das größere Schiff (Haikutter) eine Eignergemeinschaft. Auch die zweite Familie hatte noch ein kleineres Schiff. Klar, dass die zwei Kleinen nun irgendwie zuviel waren und verkauft werden sollten.

 

Anfang 2002

entdeckte Heiko Wissinger - der ursprüngliche Ersteller dieser Internetseite - die Katurah in einem Hafen auf Fehmarn und entschloss sich nach kurzer Überlegung die Katurah zu kaufen.
 

Von 2002 bis 2003

wurde dann in den Gewässern vor Fehmarn und Dänemark fleißig geübt, um die Katurah mit ihren sechs/sieben Segeln sicher Einhand zu segeln. Hier gebührt der Crew des Haikutters "Bellis" und der Crew der De Dansk Jagt "Olifant" recht herzlicher Dank, da sie ihn von Anfang an sehr freundlich und absolut uneigennützig immer mit Rat und Tat unterstützt haben!

 

Im Jahr 2004

nahm die Katurah dann auch an der 5. Kohlregatta des MSV teil.

In den Winterpausen forschte Heiko Wissinger im Internet nach der „Geschichte“ der „Katurah“ und trug die vorgenannten Informationen zusammen, um damit diese Internetseite zu gestalten.

 

Herbst 2005

bekam Heiko Wissinger über das Museum auf Gotland und den Segelverein in Fårösund Kontakt zur Familie Petersen und erfuhr leider, dass Erik Petersen im Jahr 2004 verstorben war. Er entschloss sich trotzdem ....

 

Einfahrt Visby Hafen
Einfahrt Visby Hafen

 

2006

für einen Segeltörn nach Visby auf Gotland um Frau Petersen und ihre zwei Söhne, die ja alle mit an der Katurah gebaut hatten, zu besuchen. Gerne hätte er die alten Pläne der Katurah, welche noch im Besitz von Frau Petersen sind, mitgenommen, jedoch trennte sich Frau Petersen ungerne von diesen Erinnerungen. Auch eine komplette Reserve Stengen blieb noch auf Gotland mit dem Versprechen, dass bei einem weiteren Besuch der Katurah auf Gotland diese "Schätze" dann mitgenommen werden dürfen (mit einem Augenzwinkern und dem Satz "Du kommst doch sicher noch eimal wieder..... bitte!")!

Jahresabschluß war dann die Teilnahme der Katurah an der 7.Kohlregatta des MSV.

 

 

Heiko Wissinger und Gundborg Petersen an Bord der Katurah
Heiko Wissinger und Gundborg Petersen an Bord der Katurah

 

2007 bis 2011

wurde die Katurah vor Fehmarn, rund Rügen, in den Boddengewässern und, unterbrochen durch kleinere Instandsetzungsphasen, in der dänischen Inselwelt gesegelt. Bei der 8. , 10. und 12. Kohlregatta des MSV war es zeitlich wieder möglich mit der Katurah teilzunehmen.

 

2012

Während der Vorbereitung für einen weiteren Besuch in Visby, kommt im Winter die traurige Nachricht aus Gotland, dass Gunborg Petersen (Eriks Frau) im Dezember 2010 leider verstorben ist...

Hier in Deutschland wurden an der Katura im Frühjahr einige leichte Holzreparaturen, ein Rundumservice am Dieselmotor und eine komplette Innenreinigung des Schiffes gemacht, sowie der Anstrich des Unterwasserschiffs erneuert, kleinere Elektroreparaturen und hier und da das Rigg repariert.

Danach ging es Heiko selbst gesundheitlich sehr schlecht und er mußte die Arbeiten

vorerst einstellen, weil er nicht mehr nach Fehmarn kommen konnte. Die Katurah wurde in dieser Zeit von Freunden betreut und im Herbst auch auf Fehmatn ins Winterlager gebracht.

 

2013

Auch 2013 hinderte die Krankheit Heiko daran, nach Fehmarn zu kommen, um nach seinem Boot zu schauen. Er verstarb in der Nacht zum 6.8.2013.

Für 2016 plante Heiko zum 40. Geburtstag der Katurah einen weiteren Besuch in Visby und dem Fårösund Båtklubb auf Gotland. Sein letzter Eintrag auf dieser Seite: "Ein schönes Ziel! Am Wetter sollte es nicht scheitern. Meine größte Hürde ist im Moment . . . . nicht Wind und Welle, . . .  sondern meine Gesundheit. Aber, wer weiß schon was morgen ist......die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.....und daher . . . . . ahoi Gotland! ,-)"

 

Die Katurah kam als Schenkung an den "Museumshafen am Warder e.V.", dessen Gründungsmitglied Heiko war. Sie blieb zunächst in Orth auf Fehmarn im Winterlager.

 

2014

Die Katurah steht in Orth im Freien, wo ich, Thorsten Kuhn, sie bei Arbeiten an Booten befreundeter Skipper entdeckte. Da sich an jenem Tag aber jemand um die zerrissene Winterplane kümmerte, beließ ich es beim Bewundern.

 

2015

In diesem Frühjahr erregte der blätternde Lack des immer noch im Freien stehenden Bootes erneut meine Aufmerksamkeit und ich bemühte mich, den Eigner zu finden, um meine Hilfe bei der Pflege anzubieten. So kam der Kontakt zum Museumshafen in Heiligenhafen zustande und ich erfuhr von Heikos Geschichte. Kurz darauf standen ich und meine damalige Freundin wieder in Orth und begannen, die alte Farbe zu entfernen für einen Neuanstrich. Dabei zeigten sich leider nach und nach erhebliche Schäden an der Substanz und es wurde klar, dass der Sanierunsbedarf der Katurah die Möglichkieten des Vereins übertraf. Nach einigem Hin und Her erwarb ich die Katurah schließlich, sie wurde nach Sahrensdorf auf Fehmarn in die Halle zum Bootsbauer gebracht und wird dort seitdem Stück für Stück vom rotten Holz befreit. Wir hoffen, sie im Frühjar 2016 wieder ins Wasser zu bekommen. Dann soll sie ihren Platz im Heiligenhafener Museumshafen bekommen und wir wollen uns um die Sanierung des Riggs kümmern.

Inzwischen (Septenber 2015) habe ich nun auch die Möglichkeit bekommen, diese Internetseite weiter zu führen und überarbeite sie nach und nach... Vielen Dank an den Support von Jimdo für die Unterstützung dabei!

 

2016

John Lennon hat mal gesagt: "Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen". Die Katurah liegt noch immer sicher in Sahrensdorf und erholt sich im Schneckentempo. Viel Arbeit braucht auch viel Zeit und die war nicht immer so vorrätig, wie wir uns das gewünscht hatten. Dafür wird die alte Dame und ihr Besitzer aber vor Ort nach Möglichkeiten und mit viel Langmut unterstützt! Namentlich seien hier ausdrücklich Burkhardt Wried (der Bootsbauer, der in Sahrensdorf den Rumpf saniert), Klaus Jäger (Yachtwerft Fehmarn - Burkhardts Chef) und Dirk Stiehr (Yachtwinterlager.de, auf dessen Gelände das alles stattfindet) erwähnt, ohne deren Unterstützung das Projekt wohl schon 2015 zuende gewesen wäre. Ihre Hilfe und ihr Entgegenkommen geben mir die Hoffnung, dass es auch zu einem guten Ende kommen kann.

Im Fototeil kann man sich ein Bild machen, was Burkhardt dort so alles anstellt.

 

2017

Im Sommer geschah leider wenig. Nun geht es im Herbst aber mit neuen Zielen weiter. Bis zum Frühling will die Werft Heck und Cockpit neu bauen und das Deck überarbeiten, während ich mit Freunden die Kajüten repariere und renoviere, sowie die fertigen Teile des Bootes anstreiche. Dann könnte die Katurah  in der nächsten Saison wieder im Wasser sein... 

 

 

2018

Aus den geplanten Arbeiten der Werft wurde 2017 nichts. Die Katurah wartet noch bis die Arbeiten an all den Booten erledigt sind, die bald weder in die neue Saison starten möchten. Meine Haushaltskasse freut sich natürlich über den Aufschub :-)

Ich machte mich derweil daran, die große Kajüte abzuschleifen. Dabei stellten sich größere Schäden am Dach heraus und ich nehme es schließlich ab, um es zu ersetzen. Ebenso stellen sich größere Schäden am Cockpit heraus, leider auch an den tragenden Balken. Am Ende ist es komplett abgebaut, wodurch aber die Renovierung des Motorraums deutlich erleichtert ist.Beim Abbau des Cockpits zeigten sich dann morsche Stellen an den Balken, die unter dem Deck den Rahmen für Cockpit und Salon bilden. Aso nehme ich auch die Wände des Salons ab. Auch dahinter gibt es zwei morsche Stellen an den Rahmenbalken und es zeigt sich, dass die Schrauben, mit denen die Kajütenwände befestigt waren, zum großen Teil schon gebrochen waren...

Die Beschaffung des Holzes für die Kajütendächer und -wände, den neuen Rahmen, das neue Cockpit und die Schlossereiarbeiten für ein neues Motorfundament und einen neuen Rahmen für die Luke im Cockpitboden freuen die Haushaltskasse gar nicht...

Während des Winters und Frühlings komme ich auch endlich dazu, all die kleineren Teile der Katurah (Bäume, Türen, Lukendeckel, das Beiboot etc.) abzuschleifen. Meine Freundin stellt dafür ihre Garage zur Verfügung, vielen Dank dafür!

Ostern 2018 dann  zusätzlicher Ärger: am Osterwochenende werden aus einer Metallkiste im Boot zwei Werkzeugkoffer entwendet - ein Akkuschrauber und ein Akku-Multifunktionswerkzeug, beide von der Firma "fein". Neubeschaffungswert 550,- Euro :-(

 Im Spätsommer und Herbst ist es dann so weit und die Werft beginnt mit dem Neubau des Hecks und der Sanierung des Decks, während ich die Gelegenheit nutze und den Rumpf innen vom Anstrich befreie und neu imprägniere. Nun kenne ich wirklich jedes Holzteil meines Bootes persönlich. Wenn jetzt nichts mehr schief geht, sind immerhin noch 30% des Holzes alt...